Entführt - Ein Fränkische Schweiz-Krimi

Mord und Entführung in der Fränkischen Schweiz - und ein Täter, der nicht aufgibt

VORANKÜNDIGUNG! AB MITTE BIS ENDE JANUAR ERHÄLTLICH!

Die Frau eines vermögenden ehemaligen Firmeninhabers wird entführt. Drei Millionen Euro fordert der Täter für ihre Freilassung. Schnell gerät Josef Galster ins Visier der Ermittler – ein Mann, der vor vierzig Jahren überstürzt sein Heimatdorf in der Fränkischen Schweiz verließ. Doch ist er wirklich der Drahtzieher hinter der Entführung?

Kurz darauf wird eine unbekannte Tote gefunden. Der Fundort deutet auf einen Zusammenhang mit dem Entführungsfall hin. Bevor die Polizei die Spuren auswerten kann, verschwindet erneut eine Frau.

Hauptkommissar Bruno Bär und sein Kollege Frank Becker stehen unter enormem Zeitdruck. Gelingt es ihnen, die Mord- und Entführungsserie zu stoppen, bevor der Täter ein weiteres Mal zuschlägt?

Entführt - Die fünfte Verbrechensserie, in die das reisende Ehepaar Helga und Jürgen Brombacher hineingerät.

 Leseproben:

Prolog

Wut und Zorn verzerrten ihr Gesicht. Wut über seine dreisten Diebstähle, Zorn, weil er sie hintergangen, bestohlen, das Zeug auf eigene Rechnung im Internet verhökert hatte. »Ich zeig dich an«, kreischte sie. »Ich zieh dich zur Rechenschaft! Das wirst du mir büßen! Ich sorg dafür, dass du im Knast schmorst, du, du elender Betrüger du!«

Dann waren ihr nicht nur die Beschimpfungen, sondern auch die Luft ausgegangen. Und plötzlich glätteten sich ihre verzerrten Züge zu einem Lächeln – einem hinterhältigen Lächeln. Vermutlich war ihr rechtzeitig aufgegangen, dass sich eine Anzeige angesichts ihrer eigenen krummen Geschäfte von selbst ausschloss. Natürlich könnte sie ihn rausschmeißen. Kein Problem. Sie beschäftigte ihn ohnehin nur schwarz. Ohne Papiere, ohne Steuern, ohne irgendwas. Aber hinter diesem Lächeln verbarg sich mehr. Sie führte etwas im Schilde, da war er sich sicher. Etwas, bei dem sie seine Hilfe benötigte. Während er noch überlegte, welch linke Tour das wohl sein könnte, begann sie mit zuckersüß schmeichelnder Stimme:

»Vielleicht können wir uns auch so einigen. Ich weiß ja, dass du Geld brauchst. Drum schlag ich dir einen Deal vor. Der ist zwar nicht ganz ungefährlich, aber danach hättest du ausgesorgt. Wir würden teilen. Fifty-fifty. Was sagst du zu anderthalb Millionen?«

Bevor er überhaupt etwas erwidern konnte, hatte sie ihm dargelegt, wo das Geld herkommen sollte und dass er keine Alternative hätte, andernfalls ... Diebstahl bleibt Diebstahl, und sie hätte ihn ja nur gelegentlich geringfügig beschäftigt, da könne ihr keiner was ...

Fifty-fifty - sein Anteil wären anderthalb Millionen. Das Risiko jedoch, so viel war ihm auf Anhieb klar, läge nicht zu fünfzig, sondern zu neunzig Prozent bei ihm. Andererseits wäre das die einmalige Chance, seinen alten Traum Wirklichkeit werden zu lassen.


So beginnt Kapitel 5:


Die Frau drückte zufrieden auf den roten Hörer des alten Prepaid-Handys, um den kurzen Anruf zu beenden. Jetzt ging es los! Sie stieg in ihr Auto, fuhr zwei Straßen weiter bis zum Waldrand und schlüpfte in den Mantel aus dem Fundus der Heilsarmee. Unter der Mütze verbarg sie ihr Haar und nach einem kurzen Blick in den Spiegel, entfernte sie auch das Make-up. 

Kurz darauf schlurfte eine alte Frau, die scheinbar mit dem Austragen von Reklameprospekten ihre magere Rente aufbessern wollte, die Lupinenstraße entlang. Respektable Einfamilienhäuser und vornehme Villen säumten die in einer bevorzugten und deshalb teuren Wohngegend gelegene Lupinenstraße. Die Alte zog einen Einkaufstrolley hinter sich her, dem sie die Werbeblättchen entnahm, die sie in jeden Briefkasten warf. In den Kasten der Nummer 35 steckte sie zusätzlich einen verschlossenen Umschlag, auf dem »Herrn Robert Sachmann persönlich« aufgedruckt war. 


***

Auszug aus Kapitel 4

Noch war sie nicht wach, schwebte irgendwo zwischen Bewusstlosigkeit und Traum, zwischen unruhigem Schlaf und Erwachen. Die Bronchien brannten, schmerzten bei jedem Atemzug, der Kopf hämmerte, die Zunge klebte vor Durst am Gaumen. Ein Albtraum, aus dem sie im Dämmerlicht nicht erwachen konnte. Trotz der feuchten Kälte. Und woher kam der ekelhafte, muffige Geruch? Konnte man im Traum riechen? Sie tastete nach ihrer Bettdecke, aber statt ihrer kuscheligen Daunendecke, fühlte sie nur etwas Raues, Kratziges. »Aufwachen«, befahl sie sich und versuchte, die Augen zu öffnen. 

So nach und nach nahm sie ihre Umgebung wahr, das kleine vergitterte Fensterchen, das knapp unter der Decke des dunklen Raums angebracht war und kaum Licht hereinließ. Ihre Augen gewöhnten sich langsam an das Dämmerlicht. Sie registrierte, dass sie auf einer alten, klammen Matratze lag und mit einer kratzigen Decke zugedeckt war. Neben dieser unhygienischen Liegestatt standen mehrere Plastikflaschen mit Mineralwasser. Außerdem entdeckte sie eine Doppelpackung Kekse und drei Äpfel. Und noch etwas erkannte sie: ein portables Campingklo! Doch ein Albtraum? War sie über einem Krimi eingeschlafen und fand nicht mehr in die Wirklichkeit zurück?

Ungelenk stand sie von der Matratze auf. Alle Glieder schmerzten, aber sie musste den Raum erkunden, herausfinden, was das hier sollte.

Außer dem Fenster, das so hoch angebracht war, dass sie es nicht erreichen konnte, gab es noch eine Tür. Eine stabile, mit Quer- und Schrägbalken verstärkte Tür, die selbstverständlich abgeschlossen war und allem Rütteln widerstand. Nein, das war kein Albtraum. Aber wie war sie hierhergekommen? Und warum? Es dauerte, bis langsam die Erinnerung zurückkam: an die geplante Wanderung, an das vergessene Handy. Daran, dass sie jemand roh gepackt und betäubt hatte. Das alles ließ nur einen Schluss zu: Jemand hatte sie entführt.